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Johannes

Chiemsee-Triathlon

Grüß Gott mit' a nand!
Gestern war ich am wunderschönen Chiemsee am Start. Auch hier wieder über die Mitteldistanz. Ich habe mich auf den Chiemsee-Triathlon schon sehr gefreut, habe mir aber nach Heilbronn eine unschöne Erkältung eingefangen und wusste daher bis zwei Tage vor dem Rennen noch nicht, ob ich überhaupt starten kann. Meine Augen brannten bis Donnerstag, als hätte ich auf einem Zwiebelkissen geschlafen. Aber ich wollte unbedingt wissen, ob nicht doch mehr geht, als das, was ich in Heilbronn abgeliefert hatte.
Die Zeit, die ich durch die Ermüdung nach Heilbronn und die leichte Erkältung eh nicht mit Training verbringen konnte, nutzte ich anderweitig sinnvoll.
Zum einen habe ich endlich meine Flaschenhalterkonstruktion überarbeitet. Durch eine freundliche Produktempfehlung von Thomas Hellriegel habe ich jetzt einen bombenfesten Flaschenhalter am Rad. Vielen Dank an dieser Stelle! Fliegende Flaschen gehören jetzt der Vergangenheit an. Versprochen! Auch meine selbstgebaute Befestigung aus Carbon wurde verstärkt und hält jetzt auch meinen Sidekicks stand... dazu gibt es keinen aussagekräftigen Test, aber theoretische Studien, die ich bei unseriösen Instituten in Auftrag gegeben habe, bestätigen das.
Dann habe ich mich auch noch vor und nach Heilbronn mit meinem Bikefitter Utz Brenner zusammengesetzt und meine aktuelle Radperformance besprochen. Das Ergebnis war ganz klar: Ich war zu lahm! Das hatte auch seine Gründe, zum einen musste ich meine Verpflegung verbessern. Abgesehen vom Flaschen durch die Gegend werfen war das noch verbesserungswürdig. Also schaltete ich mich mit meiner Ernährungsberaterin Caroline Rauscher kurz. Wir machten dann eine genaue Planung, wann ich essen oder trinken sollte. Im Eifer des Gefechts merke ich oft erst kurz vor der zweiten Wechselzone, dass meine Flaschen noch voll, der Magen aber leer ist. Auf genauen Befehl hin, arbeite ich da jetzt konsequenter.
Zum anderen war meine Sitzposition auch noch nicht so, dass ich meine Kraft dauerhaft aufs Pedal bringen konnte. Irgendwann waren die Oberschenkel dicht, aber eben noch nicht blau vom Radfahren... Schwer zu erklären, aber wer viel Rad fährt, der kann irgendwann unterscheiden, ob er wegen seiner Kraftausdauer, oder wegen der Sitzposition nicht mehr kann... Bei mir war es die Position. Also auch hier noch einmal Mut zur Veränderung!
Klar, in der Woche zwischen zwei Mitteldistanzen würde mir davon jeder abraten. Aber ich hatte ja nichts zu verlieren... Ich wollte gewinnen und war dementsprechend risikobereit.
Mit der Einstellung stand ich dann auch am Sonntag Morgen um 9 Uhr bis zum Hals im Chiemsee. Vom Start an kam ich gut mit. Verpeilte dann aber leider nach rund 300 m die Richtung und verlor die Spitzengruppe. Ich hatte dann rund 5-10 m hinter den schnellsten Schwimmern etwas mit den hohen Wellen und dem Navigieren zu kämpfen. Der Wasserschatten war auch weg, trotzdem konnte ich auf Schlagdistanz bleiben. Den Weg in die Wechselzone sprintete ich und verlor auch beim Wechsel aufs Rad keine Zeit.
Auf dem Rad angekommen machte ich erst mal „ä gschaidi Brod'zaid“, wie man auf bayrisch sagt. Ich knallte mir also etwas in den Magen, damit ich nicht wieder auf dem Rad hocke, wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Das hat sich auch als sinnvoll erwiesen. Meine Beine waren schnell in Krawallierlaune und es konnte losgehen. Ich bin die ersten 15 Kilometer auf Distanz zu Andreas Dreitz und Markus Fachbach geblieben. Das war die einzige taktische Maßnahme, die ich mir gestern erlaubt habe. Ich habe mir das Ganze dann ein bisschen angeschaut und mir einen raffinierten Plan ausgedacht! Ihr werdet von meiner Raffinesse begeistert sein! Mein Plan lautete: Vollgas bis die Birne qualmt! ...Ok, ich muss zugeben, ich bin nicht besonders raffiniert, was Renntaktiken angeht. Ich glaube, das war schon bei meinem ersten Triathlon in Tauberbischofsheim so... lange her und nichts dazugelernt, könnte man sagen. Aber ich finde es einfach geil! Das macht für mich den Reiz des Triathlons aus. Ab dem Startschuss einfach sein eigenes Tempo einschlagen und schauen, wie lange der Akku hält... manchmal reicht es, manchmal fehlen 30 Sekunden. Aber hätte ich mich auch in der Gruppe gehalten... wäre ich schneller gelaufen? Hätte ich genauso gekämpft wie auf Platz 1 liegend? Wäre ich mit der zweitschnellsten Radzeit zufrieden gewesen? Hätte ich läuferisch überhaupt eine Chance gegen Markus gehabt und wäre Andi schneller gelaufen, wenn wir zu dritt auf den abschließenden Part gestartet wären?
Fragen über Fragen... Antworten gibt es dazu keine! Deswegen zurück zu den Tatsachen: Ich entschloss mich also alles auf die Karte „Flucht nach vorn“ zu setzen. Als es in die zweite Runde ging, hatte ich auch schon einen kleinen Vorsprung vor meinen Verfolgern. Ich wusste, dass Markus läuferisch gut drauf ist, deswegen versuchte ich den Vorsprung weiter auszubauen. Gleichzeitig wollte ich meine Beine noch für die harte Laufstrecke schonen...
Ihr seht, Hannes-Taktik muss nicht logisch sein! ;)
Naja, ich kam dann mit rund 1 Minute Vorsprung in die Wechselzone. Das war mir ehrlich gesagt zu wenig! Also gab ich Vollgas... ich versuchte mir einzureden, es seien nur 5 statt 20 Kilometer zu laufen. Doch am ersten Berg nach 3 Kilometern zeigte mir meine Wade, dass sie sich nicht verarschen lässt. Bäähm, der erste Krampf! - Spätestens jetzt wurde mir auch klar, dass das ein recht harter Arbeitstag werden würde. Ich fing an zu rechnen... 20-3=17... Verdammt, noch 17 Kilometer!! Ich verdrängte sofort diesen Gedanken und konzentrierte mich wieder auf mein Tempo. Ich versuchte locker aber trotzdem so schnell wie möglich zu laufen. Ich bog dann auf Platz 1 liegend in die zweite Runde ein. Es ging mir wieder super! Ich bog auf Platz 1 in die dritte Runde ein. Yeah, du schaffst das! Dachte ich mir... und dann, als ich schon über die Hälfte der dritten Runde hatte, ging es mir auf einmal wieder richtig schlecht... Meine Beine waren wie aus Blei. Ich versuchte weiter und härter gegen die innere Wand zu laufen... und genau da kam natürlich Markus! Leichtfüßig wie ein Reh huschte er an mir vorbei. Das kann doch jetzt nicht sein, dachte ich mir... Warte gefälligst, bis es mir wieder besser geht!! Aber Markus kannte keine Gnade für meine Wade und lies mich alleine zurück. Ich bog dann etwas abgeschlagen in die letzte Runde ein. Auf dem geschotterten Teil der Laufrunde konnte sich meine Beine wieder lockern und ich versuchte den letzten Gegenangriff. In mir drin wurde es noch einmal richtig hässlich. Meine Beine hatten eigentlich kein Kraft mehr... Ich wollte aber gewinnen und das verdammte Ziel kam immer näher... Ich war kurz davor eine Passantin von ihrem Drahtesel zu zerren, um damit den Rückstand aufzuholen, aber das wäre sicher nicht regelkonform gewesen... Also rannte ich einfach weiter und war dann doch ganz froh als das Ziel erreicht war. 30 Sekunden hat mir Markus gegeben. Das ist nicht sooo viel. Damit kann ich vorerst leben. So wie ich mich in Runde drei fühlte, hätte ich 5 Minuten erwartet...
Vor der Siegerehrung konnte ich mit Markus auch schon über meinen Hänger und seinen taktisch optimal gewählten Überholvorgang scherzen. Triathlon ist nicht das ganze Leben. Man darf ehrgeizig, aber nicht verbissen sein. Man muss versuchen, das Beste aus sich herauszuholen. Das habe ich gestern ganz gut geschafft... Ich bin mit dem Rennen sehr zufrieden! Es geht in die richtige Richtung!
Aber jetzt möchte ich mich erst einmal bei Sven Hindl und seinem Team für dieses super schöne und top organisierte Rennen bedanken! Mich bei allen Zuschauern fürs über die Strecke peitschen bedanken. Auch für die Glückwünsche per Mail oder Facebook!
Mittlerweile habe ich auch ein richtig gutes Team um mich herum aufgebaut, auf das ich mich absolut verlassen kann. An erster Stelle stehen natürlich meine Freundin und meine Eltern, die mir privat und beruflich in allen Lagen und rund um die Uhr den Rücken frei halten. Vom Kühlschrank auffüllen bis zur Urlaubsvertretung ist da alles dabei... Auch ohne meine Sponsoren wäre das Ganze in der Form nicht umsetzbar! Dann habe ich einen Top Radmechaniker, der für mich auch nicht vor Überstunden bis spät in die Nacht zurückschreckt und einen Physio, den ich sogar privat mit meinen Problemchen belasten kann. Ich kann mich jederzeit mit verschiedenen Leuten über Verbesserungen am Rad/Schwimmen/Laufen und der Ernährung austauschen und hab nen Top Trainer und Trainingskollegen, wie den Patrick Fiederling, die mich ordentlich quälen, bis ich irgendwann so schnell bin, wie ich es jetzt schon gerne wäre ;)
Vielen Dank! Ich bin euch viel schuldig und kanns nicht mehr zurückgeben! …
Der Weihnachtsmann wirds euch in seinem goldenen Büchlein gutschreiben! (Das hat meine Oma früher immer gesagt. Meine Oma hatte bisher immer Recht!)
In diesem Sinne, bis bald!
Johannes
(Bild: Marathon Foto)